nulleins 2007

13. oktober bis 16. november 2007
ehemaliges königliches eisenbahnbetriebsamt von 1895
hansastraße 87, 47799 krefeld

architektur

Die erste Ausstellung: „nulleins“ der Galerie doppelverglasung findet in den Räumen des ehemaligen „Königlichen Eisenbahnbetriebsamtes“ an der Hansastraße 87 statt. 1895 erbaut, wurde das Gebäude mit seinen wunderbaren Jugendstilelementen und interessanten Raumfolgen liebevoll restauriert und dient heute als Wohn- und Bürohaus.

Das aus heutiger Sicht verschwenderische Treppenhaus mit seinem imposanten Aufgang, die selbstbewussten Säulen, die Deckenkonstruktion feiern sich selbst. Die originalen gemusterten Bodenfliesen sind ungewohnter Schmuck. Die hohen, kraftvollen Räume erlebten manche Nutzungsänderung, die Eingriffe lassen sich ablesen. Für 6 Wochen werden wir sie in Räume für und mit Kunst verwandeln. Ein „white cube“ mit Wohnraumdimensionen.

künstler sind Valerie Krause, Vytautas Jurevicius, Doris Grünwald, die Raumzeitpiraten Tobias Ellerich und Moritz Demgen.

Vordergründig traditionell erscheinen die Fotos und Siebdrucke von Doris Grünwald. Ihnen liegt ein Konzept zugrunde: das Überprüfen der Gültigkeit romantischer Motive. Absichtlich werden vorhandene Bilder anerkannter Künstler verwendet und in der eigenen Wohn- und Lebenssituation gefunden. Ihre „Remakes“ würdigen, stellen aber gleichzeitig Autorität in Frage. Sich selbst zurücknehmend Teil eines unendlichen Geflechts zu sein, als Autor nicht Einziger zu sein, beschreibt ihren Dialog. Es entstehen Interieurs, Innenräume, vertraut, entrückt, im Heute vergangen.

Die klare Strenge, das Analytische, die subtilen Richtungsänderungen in den Arbeiten von Valerie Krause wollen wir mit den Gründerzeiträumen konfrontieren. Arbeiten, die wie Raum-Mess-Überwindungs-Geräte auf die Dimension von Weite, über den konkreten Raum hinaus, verweisen. Ihre stille Aufforderung, sich in Bezug zu ihnen zu setzen, sie mit eigener Schrittlänge zu umkreisen, laden unmerklich ein sich auf eine Reise zu begeben. Eine Boden- und eine Wand-Hilfs-Konstruktion geben die Gelegenheit, verbunden mit Fotos, Assoziationen, Meditationen frei setzen und so in Bewegung zu geraten.

Vytautas Jurevicius spielerische Experimentierfreudigkeit führt zu Wandmöblierungen und Objekten, deren Geschichte und Bedeutung enträtselt werden will. Sie sind verankert in eigener Kultur- und Naturerfahrung, die sich bis in die Material- und Farbwahl widerspiegeln. Gewichtige Kästen, leicht in der Farbe, verankert hoch oben in der Wand sind geneigt fast zu Boden zu stürzen. Wie zurückgelassen lehnt ein Objekt an der Wand, im Raum, spannungsreich in seinen Formen und Materialien, ein Abstraktes und doch Werkzeug. Auch das Video vereint Gegensätze: mit scharfem, ohreneindringlichem Geräusch wird zermalmende, systematische Zerstörung in warmes Licht getaucht.

Bild und Raum-Erzeugung ganz anderer Art ermöglicht die Arbeit RaumZeitKrümmungen der Raumzeitpiraten Tobias Ellerich und Moritz Daemgen. Durch unbefangenen Umgang mit technischem Werkzeug wie einem Overheadprojektor, Klang-Instrumenten und gesprochenem Text, eröffnen sie in ihrer Wechselwirkung und Überlagerung ungeahnte Möglichkeiten der Wahrnehmung, eindringlich und flüchtig wie ein Tanz. In Echtzeit, als Zeitzeuge erlebt man künstlerische Naturwissenschaft und wissenschaftliche Kunst. Ästhetisches Erleben als ganzheitliches Klang-Bild Experiment.